Hintergründe..

Die Idee, dieses Blog zu starten, kam aus dem Nirgendwo. Man könnte es fast göttliche Eingebung nennen, aber das mache ich an dieser Stelle nicht. 😉
Ich schreibe gerne und habe auch schon das eine oder andere Blog geführt. Zum Beispiel als ich in einem Callcenter arbeitete, für ein großes Telekommunikationsunternehmen.

„Gott, kannst du mich hören?!“

Ich wurde in den frühen 80ern in Russland geboren. Mein Vater ist Atheist, meine Mutter war vor der Hochzeit aus einer sehr orthodoxen Christlichen Gruppierung ausgetreten, die man hier als Menoniten bzw. Menisten kennt. Sie selbst nennen sich auch Baptisten. Es ist eine evangelische Sekte oder Glaubensgemeinschaft (je nach dem wie man sie sieht), die sehr orthodox sind.
Erlaubt sind weder Fernsehen, noch jegliche Art von Glücksspiel, Tanzen und so weiter. Eine leicht „abgeschwächte“ Version der „Amish“ Religion in den USA. Die Amish sind übrigens eine Untergruppe der Mennoniten, die sich 1690 zu einer eigenen Glaubensgemeinschaft abgespaltet haben. Sie sind vor allem im US-Bundesstaat Pennsylvania zu finden.

Zu Hause hatte damals Papa die Hosen an, also sind wir – ganz im Sinne des Regimes – nicht christlich erzogen worden.
Als ich 5 war, eröffnete mir meine Großmutter (mütterlicherseits), dass es Gott gibt. Dass er uns immer sieht und hört.

Klein Paulchen lief erstmal zum Fenster, sperrte es auf und schrie:
„Gott, kannst du mich hören?!“

Oma war nicht ganz so sehr begeistert, da die Mennoniten damals im Gegensatz zur Russisch Orthodoxen Kirche nicht geduldet waren.

Weihnachten wurde jedes Jahr heimlich gefeiert. Das geschah, ebenso wie die „Versammlungen“ (Gottesdienste) in Privathäusern, da die Mennoniten keine eigenen Kirchen haben durften.

So wuchs ich also auf, von der einen Seite mit absolutem Glauben an Gott und auf der anderen mit knallharten Atheismus.

Wischiwaschi Gott

Als ich in ein Alter kam, in dem man über diese Dinge langsam anfängt, nachzudenken, entfernte ich mich geistig stark von den Ideen und Idealen der Kirche meiner Großeltern. Sie schienen mir weltfremd, unrealistisch und unsinnig.
Es war mir – damals schon – etwas zu viel Abrakadabra.
Tradition, nicht Religion.

Und das ist auch das, was mich von anderen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften fernhielt. Jeder tat so, als ob er an Gott glaubte, aber wem war es wirklich ernst?
Ich hatte immer den Eindruck, dass die Leute es als „das macht man halt so“ Tradition ansahen.
Für mich war klar: Gott ist Liebe, Güte und Vergebung. An Gott zu glauben heißt, zu geben, zu lieben und nicht zu verurteilen.

Ich merkte mit den Jahren, dass das Christentum in seiner jetzigen Form einfach nichts für mich ist. Also schaute ich mich weiter um. Wie scheinbar jeder Westler – wir wohnten zu dem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren in Deutschland – der seine Religion mit halbgarem Wissen ablegt, war ich der Meinung, dass der erste logische Schritt in Richtung Buddhismus geht.

Ich las Bücher von Leuten wie Deepak Chopra, Sathya Sai Baba und so weiter. Ich fand sogar ein Buch, dass Parallelen zog zwischen Sai Baba und den Botschaften in den Songs meines Lieblingssängers: Michael Jackson.
Ich verschlang es.
Es war großartig! Endlich fand ich Bestätigung: Gott IST Liebe. Gott IST Akzeptanz. Gott IST Vergebung.

Na ja, nicht ganz. Als ich etwas tiefer in die Materie von Chopra, Wayne Dyer, Sai Baba und Co. eintauchte, wurde mir klar, dass das spirituelle Quacksalber waren. Sie denken sich Ideen aus oder klauen sich welche von anderen Quacksalbern oder heiligen Schriften und ändern sie so ab, dass sie für den westlichen Buchmarkt perfekt zugeschnitten sind.

Gott will, dass ich reich bin. Gott will, dass ich nicht arbeiten muss. Dass ich Leute habe, die das für mich machen.
Aber hey – Moment!
Ok: Gott will, dass ich reich bin und Angestellte habe, die mir mein Klo saubermachen. So weit so gut. Aber was ist mit meinen Angestellten? Wenn Gott den Reichtum und das selige Nichtstun für mich will, will er das nicht auch für meine Angestellten? Doch, natürlich. Denn Gott ist Liebe und Gott liebt alle.
Also darf ich mir gar keine Angestellte halten, die mein Klo saubermachen! Oder sonst irgendwas tun, was sie nicht tun würden, wenn ich ihnen kein Geld dafür zahlen würde.

Willkommen in der Welt des Wischiwaschi-Gottes. Denn all diese spirituellen Ratgeber haben eins gemeinsam: Gott will nur denen helfen, die die Bücher, CDs, DVDs und Kurse bezahlen. Sonst niemandem.
Es ist im Endeffekt nichts weiter als Egoismus. Nichts weiter als „hey, keine Angst, du bin in Wirklichkeit besser als die anderen“, das dem Leser ins Ohr geflüstert wird. Und oft ist das gar nicht so schlimm. Denn oft kaufen Leute diese Bücher, wenn sie moralisch, spirituell oder sonst wie am Boden sind. Sie brauchen Aufmunterung, Trost und Hoffnung.
Bis zu einem gewissen Grad ist das also gut. Aber an einem bestimmten Punkt muss man von diesem bunten Märchenwagon abspringen und sich im realen Leben orientieren. Sonst landet man am Ende möglicherweise in einer richtig kranken Sekte. Ich selbst kenne mehrere Leute, die sich für göttlich Auserwählte halten. Dass sie die einzig wahren sind. Dass, wenn Gott kommt, er sie mitnimmt und uns armseligen Sünder zurücklässt, um mit dem Teufel Ringelpiez mit Heugabeln zu spielen.
Warum? Na ganz einfach: sie haben den Schlüssel. Ob das nun Xenu ist, oder der Schlüssel des David, oder die geheimen Namen Gottes, die heiligen Zahlen oder Spaghetti.

Es ist nicht mehr in Mode, in den Himmel zu kommen, weil man gut genug ist. So war es ja ursprünglich gedacht. Das ist zu anstrengend. Ein paar Namen, Formeln, Zahlen oder Verse zu lernen ist da viel praktischer. Oder die Beichte, wie bei den Katholiken. Eine tolle Erfindung.
Kommt man sich als Mann oder Frau Gottes nicht blöd vor, wenn man den Menschen dauernd sagt: „es ist dir vergeben, nun geh und sündige nicht mehr“ und nächste Woche sind sie wieder da und erzählen, dass sie den Ochsen des Nachbarn beäugt haben? Aber gut – dieser Frust ist ja das kleinste Übel in der katholischen Fraktion.

Ein neues Hobby

In Anbetracht all dieser Dinge, legte ich die Sache mit Gott auf Eis und konzentrierte mich auf andere Dinge. Ich beendete die Schule und zog 2 Jahre später nach Großbritannien um.
Ich verliebte mich zum ersten mal in meinem Leben bis über beide Ohren in eine junge Frau und wir lebten zusammen.
Sie selbst war nicht gläubig und das war auch ok so. Aber sie glaubte Spiritualität im Allgemeinen. Mit Geistern Reden, Tarot Karten und all der Kram. Das war mir nicht sofort klar – es kam nur nach und nach raus.

Eines Tages kam ich dann nach Hause und sie saß mit einem Pack Rider Waite Tarot Karten auf dem Bett. Die Karten, bei denen auf der Rückseite die Bedeutung der Karten steht.
Ein neues Hobby? Nein. Sie hatte einen neuen Job bei einer Tarot Telefon Hotline.

Und wie es weiterging, ist im nächsten Blogeintrag zu lesen. 🙂

1 Kommentar zu „Hintergründe..“

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