Schwierige Fragen – Teil 2

Den ersten Teil kann man hier lesen.
Tja, nur 7 Jahre später kommt dann jetzt der zweite Teil – wie versprochen! Wie ein russisches Sprichwort sagt: Wenn ein Mann sagt, dass er etwas tun wird, dann wird er es tun. Und es gibt keinen Grund, ihn alle sechs Monate daran zu erinnern!

Dann komme ich aber jetzt ohne Umwege zum eigentlichen Sinn.

Ich lese diese drei Fragen, die mich vor sechs Jahren beschäftigt haben. Und ich denke mir: was ein Käse. Ok, die Frage nach der Rolle Gottes im menschlichen Leid ist eine sinnvolle Frage. Aber die anderen beiden sind einfach nur Humbug aus meiner heutigen Sicht.
Ich ging an die ganze Gott-Frage immer noch aus der Sicht eines Christen heran. Auch wenn ich eigentlich keiner mehr war. Heute ist mir klar, dass das nichts ist, was von heute auf morgen passiert. Es ist ein Prozess. Ich bin da wahrscheinlich noch immer nicht durch.

Aber die Sache mit Adam und Eva ist einfach eine sinnlose Frage. Erst sind die beiden laut Bibel die einzigen Menschen. Dann auf einmal gibt es doch noch andere Menschen. Überhaupt ist die Bibel so voller Widersprüche und Ungereimtheiten, dass man sich echt anstrengen muss, um sie weg zu erklären. Mir ist es im Endeffekt nie ganz gelungen. Und das war auch einer der Gründe dafür, dass ich aufgehört habe, an einen Gott zu glauben.
Aber bei weitem nicht der wichtigste. Überhaupt ist das Ausräumen dieser Widersprüche eine Übung, die nur Christen nützt. Für jeden Widerspruch, den man in der Bibel entdeckt, gibt es zehn Erklärungen im Internet. Intellektuelle Christen und intelligente Geistliche haben sich zu diesen Dingen viele Antworten überlegt. Sie verdrehen dabei die Bibel und ihren Gott so lange, bis das alles (mit einem zugedrückten Auge) Sinn ergibt. Mal ist die Bibel wörtlich zu nehmen, mal nur symbolisch.

Als Atheist habe ich gelernt, dass es eine falsche Strategie ist, auf die Fehler in der Bibel aufmerksam zu machen. Zumindest, wenn es darum geht, Leute zu erreichen, die noch erreichbar sind. Die sich nicht bereits entschieden haben: glaube ich an den abrahamitischen Gott oder nicht. Das einzige, was man mit diesem Aufzeigen der Fehler in der Bibel wunderbar machen kann, ist, Christen zu ärgern. Und was bringt das? Deswegen ist es auch scheiß-egal, was es mit Eva und Adam auf sich hat und mit der Evolution und mit dem Himmel und der Hölle.

Nein, die Fragen, die mich wirklich dazu brachten, den Glauben an Gott zu verlieren, waren viel globaler. Und sie waren nicht Fragen der Geschichten in den heiligen Schriften, sondern es waren Fragen des Anstandes, der Vernunft und der Güte. In diesem Sinne, legen wir los.

Gott als Vater

Sowohl die Christen als auch die anderen abrahamitischen Religionen sehen Gott meist als (heiligen) Vater.
Gleichzeitig möchte ich daran erinnern, dass die Menschen in denselben Religionen als unvollkommen, bzw. Sünder gelten. Das heißt, dass der heilige Vater mindestens so liebevoll, gut und weise sein muss, wie ein menschlicher Vater.
Hier sind meine Probleme mit Gott dem Vater:

  • Wenn ich meinen Vater (hier rede ich vom Vater im allgemeinen) nicht anbete, sondern irgendwann verlasse, weil ich erwachsen bin, wünscht mir mein Vater alles Gute, legt mir etwas Geld in die Tasche und überweist mir ab und zu ein paar Euro, wenn ich mal wieder pleite bin.
    Gott der Vater will angebetet werden. Wenn ich jemand anderen anbete, kann es passieren, dass er mich tötet. Wenn jemand anderes einen anderen Gott anbetet, kann es sein, dass Gott mich bittet, ihn/sie zu töten.
  • Wenn ich einen Freund kennen lerne, der älter ist als ich und mein Guru, Berater oder Vaterfigur wird, kann es sein, dass mein Vater Eifersucht empfinden würde. Er würde es mich aber nicht spüren lassen.
    Gott, aber, ist nach eigener Aussage ein eifersüchtiges Wesen und lässt es mich spüren, sollte ich jemals einen anderen Gott finden.
Hier ist Gott nicht nur NICHT liebevoller, besser oder weiser als ein menschlicher Vater. Nein, er unterliegt einem halbwegs vernünftigen menschlichen Vater in jeder Hinsicht.

Gott als allmächtiges Wesen

Je kleiner sich ein Mensch fühlt, desto größer ist sein Bedürfnis, einen auf dicke Hose zu machen. Das ist so ziemlich ein Naturgesetz. Vor allem, wenn er ein wenig Macht hat. Hat so ein Mensch viel Macht, dreht er entweder völlig durch (siehe diverse Diktatoren der Geschichte) oder er (oder sie, aber es sind leider meistens Männer) wächst mit der Macht und wird sicher in sich und seiner Macht.
Wenn man aber einem Menschen mit Miderwertigkeitskomplexen und ohne Selbstwertgefühl viel Macht gibt, wird er zum Monster. Er akzeptiert keine Widerworte, kein Ungehorsam. Jeglicher Verstoß gegen seine Regeln wird übermäßig bestraft. Und und und.
Das beschreibt, meiner Meinung nach, Gott im Alten Testament der Bibel. Er löscht die ganze Menschheit aus, weil sie nicht so leben, wie er will. Er muss sich in seinem Zorn mehrfach von Menschen beruhigen lassen, damit die „Strafe“ nicht ganz so hart ausfällt.
Er will angebetet werden. Unbedingt. Ohne wenn und aber. Aber freiwillig.
Wer schon mal mit Menschen zu tun hatte, die krankhaft eifersüchtig sind und starke Minderwertigkeitskomplexe haben, dem kommt das sicher bekannt vor. „Ich gebe dir alles, Freiheit, freien Willen. Aber sobald du etwas tust, das nicht genau meinen Vorstellungen entspricht, bist du dran!“
Handelt so ein Wesen, das nicht nur allmächtig ist, sondern auch Milliarden von Jahren hatte, um zu lernen, mit seiner Allmacht umzugehen?
Gewiss nicht.

Wer trägt die Schuld für Sünden?

Ok, jetzt geht’s ein wenig ans Eingemachte. Wem das zu langweilig ist, darf gerne den Rest dieses Punkts ignorieren.
Gott hat die Menschen erschaffen. Das sagt die Bibel, der Koran und die Tora.
Er erschuf jeden einzelnen von uns. Sie, mich, unsere Freunde und Familien. Alle. Wer die Bibel und die anderen abrahamitischen heiligen Bücher kennt, weiß: der Mensch ist schlecht. Er neigt im Großen und Ganzen zum Sündigen.
Hier stellen sich mir direkt zwei Fragen:
Wenn wir freien Willen haben, aber für unsere Sünden mit ewigem Brennen in der Hölle bestraft werden. Haben wir dann wirklich einen freien Willen? Oder werden wir nicht eher einfach nur erpresst? Wenn ein Verbrecher mir seine Pistole auf die Brust setzt und sagt, dass ich die Wahl habe, ihm mein Geld zu geben oder er tötet mich. Habe ich dann eine freie Entscheidung, wenn das meine einzigen Optionen sind? Nein, natürlich nicht. Nur ein Geisteskranker (oder der Erpresser selbst) kann in so einer Situation von freiem Willen sprechen.
In anderen Worten: Jeder hat ein Recht auf meine Meinung. Habt ihr jemals, jemanden getroffen, der so dachte/sprach/lebte und der nicht ein komplettes Arschloch war? Ich auch nicht.
Aber ich schweife ab. Wir haben also keinen freien Willen. Denn wenn wir uns dem Gott der Bibel widersetzen, brennen wir für immer.
Und was ist mit der Schuld?
Nun, ich versuche es mal mit einem Vergleich. Ich entwerfe einen Stuhl. Ich sehe ihn mir an und denke mir: jap. Der ist super, den baue ich. Das hintere rechte Bein ist zwar ein kleines Bisschen kürzer, aber egal.
Ich baue den Stuhl, lackiere ihn und stelle ihn in meine Lagerhalle. Dann baue ich den nächsten Stuhl. Bei dem ist ein anderes Bein etwas kürzer. Beim nächsten fehlt die Rückenlehne. Und der übernächste hat ein Bein zu wenig.
So baue ich also einen fehlerhaften Stuhl nach dem anderen. Dann bekomme ich Besuch. Meine ganze Verwandschaft kommt. Ich denke mir: super! Und hole für alle Stühle – ich habe ja jetzt super viele.
Auf den meisten davon können die Onkels, Tanten, Cousins und die anderen Verwandten mit etwas Mühe sitzen. Auf ein paar sogar sehr bequem. Aber auf vielen können sie nicht sitzen. Sie fallen runter, oder die Stühle brechen zusammen. Beim ersten denke ich mir: ach Mist, na egal. Aber je öfter das passiert, desto wütender Werde ich.
Bis ich irgendwann die Nase voll habe. Ich bitte alle Verwandten, aufzustehen und sammle die Stühle ein. Dann beginne ich sie, einen nach dem anderen, gegen die Wand zu schmettern und zu zerstören. Zunächst gucken meine Verwandten mich befremdlich an und sagen nichts.
Bis dann irgendwann, nach dem zehnten Stuhl oder so, mein Onkel Martin zu mir kommt und fragt: „Sag mal, was machst du denn da? Was soll der Blödsinn?“
Ich antworte: „Ich zerstöre diese dämlichen Stühle, weil sie zu nichts taugen.“
Onkel Martin fragt: „Aber warum musst du sie zerstören? Stell sie doch einfach wieder ins Lager. Das ist ja jetzt eh wieder leer und nutzlos.“
Worauf ich entsetzt erwidere: „Sie haben Schaden verursacht und müssen bestraft werden! Wer etwas verbockt, muss dafür gerade stehen. So ist die Welt nun mal!“
Martin guckt mich verwundert an und sagt: „Aber du hast diese Stühle doch selber gemacht. Was können die Stühle dafür, dass sie krumm und schief sind. Ist das nicht eher deine Schuld? Du hast sie doch gemacht.“
Ich drehe mich langsam zu Martin um. Einen Moment sehe ich ihn an. Dann hebe ich den nächsten Stuhl hoch. Ich bringe ihn über Martins Kopf runter und fange an, ihn mit den Stühlen zu verkloppen.
Aber Spaß beiseite. Wie kann Gott uns Menschen so erschaffen wie wir sind, mit dem Hang zum Bösen, und uns dann dafür bestrafen, wenn wir mal mehr mal weniger diesem Drang nachgeben? Das ist doch absolut schwachsinnig! Hätte Gott gewollt, dass wir immer gut sind, hätte er uns nicht schlecht erschaffen dürfen.

Die Konsequenz

Für mich blieb nur eine Konsequenz aus diesen ganzen Überlegungen. Es bestehen genau drei Möglichkeiten, was den Gott von Abraham angeht.
1. Es gibt ihn einfach nicht und er wurde erfunden, weil der Mensch Angst vor Dingen hat, die er nicht erklären kann bzw. nicht versteht.
2. Es gibt ihn, aber er ist absolut gestört. Also richtig behämmert. Krankhaft eifersüchtig, mordlustig, nachtragend bis in die Ewigkeit und unfähig zu vergeben (außer man bringt seinen Sohn um).
3. Es gibt ihn und er ist voller Liebe. Er leidet jedes Mal, wenn einem der von ihm erschaffenen Lebewesen leid passiert. Ihm zerreißt das Herz, wenn jemand ein Kind missbraucht oder jemanden umbringt. Er kann es nicht ertragen, dass jeden Tag Kinder vor Hunger sterben. Aber er kann nichts dagegen tun! Denn selbst Menschen, die das Ausmaß des Leids dieser Welt erkennen, können nicht anders, als etwas dagegen tun zu wollen. Wie viel mehr würde ein Gott eingreifen wollen, der das ganze Leid tatsächlich spürt? Den Schmerz eines jeden. Ein Gott, der das alles fühlt und nicht eingreift ist entweder das größte Arschloch, das es je gegeben hat oder er kann nichts dagegen tun. Er lebt da in seiner Dimension und kann nur zugucken, wie wir uns hier gegenseitig in seinem Namen zerfleischen.
Ich konnte mich nur für Punkt 1 entscheiden. Denn ein Gott, wie er in der Bibel beschrieben ist, kann nur wie in Punkt 2 oder 3 beschrieben sein. Und so einen Gott, selbst wenn es ihn gibt, würde ich niemals anbeten. Denn sowas muss man sich mit Taten verdienen. Nichts für Ungut, aber da sind mir Legenden von einem hartherzigen, eifersüchtig-herrschsüchtigen Magier in einem Märchenbuch einfach zu wenig.
Wer es bis hierhin gelesen hat, bravo! Das heißt, Sie denken mit. Selbst wenn Sie bei ihrem Glauben bleiben. Ich habe wenigstens erreicht, dass Sie sich damit kritisch auseinandersetzen. Und das ist etwas, das jeder machen sollte. Und zwar nicht nur mit Religion, sondern mit anderen Glaubensgebilden, Vorstellungen und Weltbildern. In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen!

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